"How does leadership become visible?"
Diese Frage begleitet mich schon seit vielen Jahren.
Nicht: Was ist gute Führung?
Nicht: Welche Eigenschaften braucht eine Führungskraft?
Sondern eine viel grundlegendere Frage:
Woran erkennen wir überhaupt Führung?
Denn Hand aufs Herz:
Wir sprechen ständig über Leadership. Über Führungskompetenzen. Über Leadership Development. Über Kultur. Über New Work.
Aber woran messen wir eigentlich, ob Führung tatsächlich sichtbar wird?
Ich beobachte(te):
Führung wird nicht dadurch sichtbar, dass jemand eine Führungsposition innehat. Führung wird sichtbar, wenn Kommunikation Wirkung erzeugt.
Genau dort beginnt meine Forschung.
Ich suche keine Antworten. Ich finde Muster.
Wenn ich Workshops moderiere, Führungskräfte interviewe oder Organisationen begleite, stelle ich selten die Frage:
"Wie gut funktioniert Ihre/deine Kommunikation?"
Denn darauf bekäme ich fast immer dieselbe Antwort:
"Eigentlich ganz gut."
Interessant wird es erst, wenn ich anders frage.
Ich frage nach Situationen.
Nach Entscheidungen.
Nach Konflikten.
Nach Verantwortlichkeiten.
Nach Zusammenarbeit.
Nach den Momenten, in denen etwas gelungen ist – oder eben nicht.
Und dann passiert etwas Faszinierendes.
Die Antworten liegen fast nie bei der Führungskraft allein.
Sie liegen im Team.
Denn Teams erzählen sehr schnell, ob Führung Orientierung gibt. Ob Entscheidungen nachvollziehbar sind. Ob Vertrauen vorhanden ist. Ob Menschen Verantwortung übernehmen. Ob Zusammenarbeit Energie erzeugt oder kostet.
Leadership wird nicht behauptet.
Leadership wird erlebt.
Genau deshalb entstand COM3.
Während meiner wissenschaftlichen Arbeit wurde mir klar:
Es reicht nicht aus, Kommunikation isoliert zu betrachten.
Kommunikation ist niemals Selbstzweck.
Sie entfaltet ihre Wirkung erst im Zusammenspiel mit zwei weiteren Dimensionen.
Kommunikation
Wie sprechen wir miteinander?
Wie verständlich sind Erwartungen?
Wie klar werden Ziele vermittelt?
Wie werden Konflikte angesprochen?
Commitment
Wollen Menschen Verantwortung übernehmen?
Verstehen sie den Sinn?
Identifizieren sie sich mit dem gemeinsamen Ziel?
Entsteht Vertrauen?
Kompetenz
Sind Rollen klar?
Sind Fähigkeiten vorhanden?
Werden Potenziale genutzt?
Werden Entscheidungen getroffen und umgesetzt?
Erst das Zusammenspiel dieser drei Dimensionen macht Führung sichtbar.
Deshalb COM3:
Communication. Commitment. Competence.
Die spannendsten Antworten bekomme ich nie im ersten Gespräch.
Ich bekomme sie zwischen den Zeilen.
In den Widersprüchen.
In den Pausen.
In den Blicken der Mitarbeitenden.
In den kleinen Sätzen wie:
"Eigentlich weiß niemand so genau…"
"Das entscheidet immer jemand anderer."
"Darüber sprechen wir lieber nicht."
Oder:
"Wir haben großartige Ideen – aber sie verschwinden irgendwo."
Genau dort beginnt Organisationsdiagnostik.
Nicht mit einer Bewertung.
Sondern mit neugierigem Beobachten.
Deshalb messe ich keine Menschen.
Ich messe Muster.
Ich beobachte beispielsweise:
- Wie werden Entscheidungen getroffen?
- Wer übernimmt Verantwortung?
- Wie klar sind Rollen und Erwartungen?
- Wie sicher fühlen sich Menschen, ihre Meinung zu sagen?
- Wie werden Konflikte gelöst?
- Welche Geschichten erzählen Teams über ihre Zusammenarbeit?
- Wo entstehen Missverständnisse?
- Wo geht Energie verloren?
- Wo entsteht Vertrauen?
- Wo entsteht Wirkung?
Diese Antworten finden sich nicht in Organigrammen.
Sie finden sich in Gesprächen.
Führung wird dort sichtbar, wo Kommunikation Wirkung erzeugt.
Vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen Management und Leadership.
Management organisiert Prozesse.
Leadership gestaltet Beziehungen.
Und Beziehungen entstehen durch Kommunikation.
Deshalb lautet meine Forschungsfrage nicht:
"Was ist gute Führung?"
Sondern:
"How does leadership become visible?"
Denn wenn wir verstehen, wie Führung sichtbar wird, können wir sie auch entwickeln.
Nicht durch Zufall.
Sondern systematisch.
Und vielleicht beginnt genau dort die Zukunft der Leadershipkommunikation!
Welche Verhaltensweisen machen für dich Führung sichtbar?
Nicht auf dem Organigramm.
Sondern im täglichen Miteinander.
Ich freue mich auf deine Perspektive.
Mein Name ist Dr. Alexandra Singer. Ich sehe, was du (noch) nicht siehst. Ich erforsche, wie Führung durch Kommunikation sichtbar wird – und warum genau darin der größte Gestaltungsspielraum von Organisationen liegt.
Quellen und wissenschaftlicher Bezugsrahmen
Dieser Beitrag basiert auf Erkenntnissen aus der Kommunikationswissenschaft, Leadership-Forschung und Organisationsentwicklung sowie auf meiner eigenen wissenschaftlichen und praktischen Arbeit.
Ein besonderer Einfluss stammt aus folgenden Forschungsfeldern:
- Edgar H. Schein – Organisationskultur und Leadership
- Amy C. Edmondson – Psychologische Sicherheit als Grundlage wirksamer Zusammenarbeit
- John P. Kotter – Leadership versus Management
- Peter M. Senge – Lernende Organisationen und systemisches Denken
- Karl E. Weick – Kommunikation als Sinnstiftung in Organisationen
Die im Artikel dargestellte Perspektive auf Leadershipkommunikation sowie das COM3-Modell (Communication – Commitment – Competence) wurden von mir im Rahmen meiner wissenschaftlichen Arbeiten entwickelt und in den vergangenen Jahren kontinuierlich in Leadership-Sparrings, Workshops und Organisationsentwicklungsprojekten weiterentwickelt.
Anfragen, Rückfragen, Feedback an: alexandra@grooowth-hub.com





